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Das Higgs-Teilchen
Dieses kurze Kapitel soll Dir Einblick in die Suche nach diesem Teilchen und ersten sich daraus ergebenden Ergebnissen am LHC geben.
Das Higgs-Teilchen ist einer der populärsten Kandidaten, der bei der Suche nach neuen Teilchen am LHC genannt wird. Es könnte als Nachweis einer Mitte der 60er Jahre aufgestellten Theorie dienen, die einen Mechanismus beschreibt, der den Elementarteilchen des Standardmodells Masse verliehen hat. Aus Symmetrien schließt man nämlich, dass alle Elementarteilchen direkt nach dem Urknall masselos waren. Die Theorie vermutet, dass sich durch Abkühlung des Weltalls eine Billionstel Sekunde nach dem Urknall ein zähes Medium im ganzen Universum breit gemacht hat, das so genannte Higgsfeld. Weil man seitdem Kraft benötigt, um Elementarteilchen in diesem Medium zu beschleunigen, ist ihre Masse nicht mehr Null. Um das Higgs-Feld nachzuweisen, muss man es irgendwie anregen, sozusagen kleine Wirbel darin erzeugen. Ein Higgs-Teilchen ist das kleinste Energiequant eines solchen "Higgsfeldwirbels". Das Higgs-Teilchen hat selbst eine große Masse und eine sehr kurze Lebensdauer. Bevor es nachgewiesen werden kann, zerfällt es auch schon wieder. Daher kann es nur an Hand seiner Zerfallsprodukte gefunden werden. In welche Teilchen das Higgs-Teilchen zerfällt, hängt vorhersagbar von seiner Masse ab. Die kennen die Physiker aber noch nicht. Daher sucht man nach ganz verschiedenen Signalen, welche von den unterschiedlichen möglichen Zerfällen des "Higgs" stammen können. In der folgenden Abbildung, die auf theoretischen Berechnungen beruht und erste experimentelle Ergebnisse der Experimente ATLAS und CMS beinhaltet, sind die Anteile (y-Achse) wichtiger Zerfallsprozesse des Higgs-Teilchens dargestellt. Außerdem wird darin der Einfluss der Masse des Higgs-Teilchens (x-Achse) auf diese Zerfälle deutlich. Zudem sind die Bereiche möglicher Higgsmassen schraffiert, welche nach den ersten Analysen der beiden großen Higgs-Suchenden ATLAS und CMS mit 95%iger Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden können.
Die gestrichelte blaue Linie im Diagramm (mit WW bezeichnet) ist für uns nun sehr interessant. Da an einem Protonkollider Zerfälle des Higgs Teilchens in ein Paar aus Bottom-Antibottom Quarks (b
b
) wegen des riesigen Untergrunds nicht nachweisbar sind, besagt diese Linie: Im gesamten noch erlaubten Massenbereich ist der häufigste Zerfall des Higgs-Teilchens derjenige in zwei W-Teilchen, die entgegengesetzte elektrische Ladungen haben müssen, da das Higgs Teilchen elektrisch neutral ist.
Jedoch ist das Detektorbild der Produktion eines Higgs-Teilchens und der anschließende Zerfall in zwei W-Teilchen identisch mit dem Detektorbild der Produktion zweier elektrisch entgegengesetzt geladener W-Teilchen nach dem Standardmodell (siehe rechtes Feynman-Diagramm auf dieser Seite). Letztgenannter Prozess ist sogar viel häufiger (abhägig von der Masse 4-10mal). Wie kann man diese beiden Prozesse nun voneinander trennen? Durch das Betrachten von Event Displays allein ist dies unmöglich. Daför brauchen wir weitere physikalische Größen, mit deren Hilfe eine bessere Trennung von diesen beiden Prozessen gelingt. Die Teilchenphysiker sprechen dabei von der Verbesserung des Signal- zu Untergrundverhältnisses.
Signal vs. Untergrund
Hier sind noch zwei Feynman-Diagramme, die Erzeugung und Zerfall des Higgs-Teilchens (linke Abbildung) darstellen sowie ein Untergrundereignis (rechte Abbildung):
WW-Ereignisse
Und nun kannst auch Du dieses Teilchen finden - auf zur Messung!